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Die Brennweite bei Objektiven

Einleitung

Wie bereit in Was macht ein Objektiv und was bedeuten die Zahlen beschrieben, ist die Brennweite ein der wichtigen Angaben eines Objektivs.

Die Brennweite gibt an, wie weit (theoretisch) die Entfernung zwischen Objektivanfang und Sensor/Film ist. Theoretisch, weil es sich hier nicht nur um eine einzelne Linse handelt, sondern, je nach Objektiv auch um dutzende Linsen oder Linsenpaare.

Warum es eine unpraktische Angabe ist

Es ist zwar durchaus Nett, dass sich die Blende u.A. über die Brennweite berechnet, aber praktisch gesehen, hilft das nur bedingt.
Ein Problem liegt daran, weil die Angabe z.B. 50mm alleine nicht alles ist. Es ist immer in Relation zum jeweiligen Sensor/Film.
Beispiel: ein obiges 50mm Objektiv an einer Kamera mit Crop-Sensor hat einen anderen Bildausschnitt als das gleiche Objektiv an einer Vollformat-Kamera.
Würde das Objekt auch an anderen Kameras passen, wäre es dort auch wieder anders.
Entscheidend ist also immer die Kombination: Brennweite und Sensorgröße

Aus historischen Gründen hat man gesagt, das klassische 35mm Format ist unsere Größe 1, also die Referenz.
Klassische Vollformat-Spiegel-Reflex-Sensoren haben diese Größe, damit auch Faktor 1.
Spiegel-Reflex-Kameras mit Crop-Sensor haben typicherweise einen Faktor von 1,5-1,6 d.h. ein 35mm Sensoren hat eine 1,5-1,6 mal so große Fläche.
Üblich sind auch weitere Größen bei spiegellosen Kameras.
Was bewirkt das nun auf obige Brennweite?

Eine  Merkregeln, die aber effektiv falsch sind

Am einfachsten gilt die Regel: Effektive, scheinbare Brennweite ist der angegeben Wert mal Crop-Faktor.
Also z.B. 35mm * 1,5 äquivalent 50mm. Wer eine (alte) Vollformat-Spiegelreflexkamera mit dem 50mm Objektiv nimmt hat in etwa das gleiche Sichtfeld wie eine Crop-Kamera mit 35mm.

Das stimmt zwar vom Bildausschnitt her, optische passiert aber das folgende. Es entsteht quasi das gleiche Abbild bei Vollformat und Crop-Kamera in der Ebene des Sensors.
Allerdings deckt der Sensor nicht den kompletten Bereich ab, also wird nur ein Teil davon auch gespeichert. Vergleichbar mit dem nachträglichen Ausschneiden der Bildmitte, oder sich den äußeren,
Inhaltgefüllten Rand eine Bildschirms abzukleben.
Entsprechendes gilt natürlich auch für die Lichtmenge, die verwertet werden kann. Währen das gleiche Objektiv bei einer Vollformat-Kamera alles reingelassene Licht auch verwendet, geht bei Crop-Sensoren mehr verloren, weil es einfach nicht auf den Sensor trifft. Dazu kommt, das bei gleicher Megapixel Anzahl bei einem Vollformat-Sensor weniger Pixel/Fläche bzw. mehr Fläche pro Pixel zur Verfügung steht.
Dadurch kann dieser mehr Licht einfangen.

 

Effektiv beschreibt die Brennweite den Öffnungswinkel eines Objektivs, vergleichbar mit dem Sichtbereich des Menschen (mit einem Auge).
Details sind den jeweiligen Hersteller-Angaben zu entnehmen, aber ein paar Beispiele, jeweils an 35mm Film bzw. Full-Frame:

Brennweite in mm Blickwinkel
20 94,5°
30 71,6°
50 46,8°
70 34,4°
100 24,4°
200 12,4°

Je kleiner nun der Blickwinkel ist, deste größer werden auch weit entfernte Objekte auf das Bild gebracht, also herangeholt.
Gleichermaßen gilt, je kleiner die Brennweite, desto mehr Umgebung kommt auf das Bild.

Was sind die Angaben: Tele, Weitwinkel, Fischauge etc?

Grob lassen sich die Angaben aus der Brennweite in mm in verschiedene Klassen einteilen. Die Übergänge sind jedoch eher fließend und auch, wie oben beschrieben, Sensorabhängig.

Fangen wir mit dem "normal"-Bereich an.
Wie oben beschrieben, entspricht 50mm bei Vollformat etwa dem menschlichen Auge.
Rund um den Bereich definiert man nun den "normal"-Bereich, je nach Definition +- 20mm, also so von 30mm bis 70mm.
Alles was eine kürzere Brennweite hat beginnt nun als Weitwinkel, alles mit längere als Tele.
Irgendwann kommt dann der "Super"- Bereich, also z.B. kürzer als 21mm ist oft ein Superweitwinkel oder über 200mm eine Super-Tele.
Natürlich kommt dann noch immer extreme Bereiche. Z.B. kürzer als 10mm, das ist dann meistens ein Fischauge.
Fischauge deshalb, weil
a) Fische solche Augen habem
b) eine extrem hohe Sichtabdeckung erreicht wird, z.B. 180°
b) extreme Bildverzerrungen entstehen
Die Effekte haben Weitwinkel auch, aber nicht so stark. (Je kleiner die Brennweite, desto stärker)
Anderrsum erzeugen auch Teleobjektive Verzerrungen.

Welches ist das Richtige für mich?

Die Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Einfach jede Brennweite kaufen.
Im Ernst: Es kommt immer auf die Anwendung an. Ein Landschaftsbild sieht besser aus, je mehr zu sehen ist, aber noch keine extreme Verzerrung zu sehen ist. Wenn ich einen anderen Planeten oder auch den Mond fotografieren will, interessiert mich nur ein sehr winziger Ausschnitt, also je länger die Brennweite, desto mehr kann ich erkennen.
Für den "normalen" Einstieg ist die Abdeckung der meisten Kit-Objektive mit 18mm bis 55mm (Crop-Kamera) bzw. 24mm bis 70mm (Vollformat) gut.
Dazu evtl. noch ein 70-200mm für den Telebereich (Sport- und Tierfotografie) und ein 15-30mm Weitwinkel (bei Vollformat).

Makrolinsen

Makrolinsen sind nun eine Besonderheit. Sie haben eine spezielle Optik, die es erlaubt, sehr nah an das Objekt ranzugehen. Typischerweise haben nicht-Makro Objektive einen Nah-Einstellgrenze von 20-30cm. Mit Makroobjektiven kann man fast schon auf Kontakt gehen. War ich allerdings bei bestimmten Tieren, z.B. Bären nicht anraten würde.
Idealerweise könnte man sonst auch ein Tele-Objektiv, z.B. ein 300mm nehmen, allerdings muss man sehr weit weg sein, da diese oft Nahgrenzen von einem Meter oder mehr haben. Da wird der Telebereich durch die Entfernung wieder aufgefressen. Dazu kommt, die dumme Eigenschaft, dass je größer die Brennweite, desto eher verwackelt das Bild.

Brennweite und Belichtungszeiten

Als letzter Punkt nun noch eine weitere Einflussgröße der Brennweite: Bewegungsunschärfe.
Das Problem kennt jeder, der/die schonmal durch ein Fernglas geschaut hat. Je stärker die Vergrößerung, desto stärker wirkt sich auch die kleinste Bewegung aus. Den Kopf nur ganz leicht bewegt, schon ist mein "Ziel" aus dem Blick. Das gleiche Problem hat die Kamera. Wird die Kamera während des Belichtens bewegt, wird das Bild verwackelt. Hier gilt eine klassische Regel: Die Belichtungszeit sollte immer kürzer sein als 1/Brennweite. Also z.B. bei 50mm maximal 1/50s Belichtung. Bei 200mm max. 1/200s. Natürlich nur, wenn die Kamera einigermaßen still gehalten wird und das Motiv nicht gerade mit 200km/h an einem vorbei rauscht.
Auch vermeintlich still stehende Brücken bewegen sich, wenn Autos drüber fahren oder Hochhäuser schaukeln im Wind.

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