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Riesen - Die Wahrheit über die Märchengiganten

Author: Fabelwesenmutter 

Im Auftakt zu meiner neuen Fantasyvölker-Reihe geht es heute um die sagenumwobenen Riesen.

Sie sind mit die ältesten Fabelwesen und wir finden sie nicht nur in Grimms Märchen, sondern lange vor dieser Zeit in der nordischen Mythologie, in der griechischen Mythologie, bei den Ureinwohnern Nordamerikas und so gut wie allen anderen Kulturen. 

Mit Sicherheit wurden diese Mythen durch diejenigen Mitmenschen bestärkt, die überdurchschnittlich groß waren oder gar weit über das übliche Körpermaß ihrer Zeit hinaus wuchsen. Oder aber durch großgewachsene Völker, die zum ersten Mal auf kleiner gewachsene Kulturen trafen. Schon unsere Vorfahren haben sich, nach Entdeckung des Ackerbaus, stark von ihren Vorfahren und den zu dieser Zeit noch immer nomadisch lebenden Jäger- und Sammlerkulturen unterschieden. Der Ackerbau und die damit einhergehende Sesshaftigkeit führte zu einem Schrumpfen der Körpergröße. Denn Missernten und saisonale Hungersnöte waren nun viel häufiger. 

Die Riesen der nordischen, der griechischen oder der nordamerikanischen Mythologie haben aber alle eine Gemeinsamkeit. Sie waren die Vorfahren der Menschen oder der neuen Götter. Sinnbildlich standen sie daher für eine archaische oder gar unzivilisierte Denk- und Lebensweise. Mögen hier womöglich wahre Geschehnisse ihren Weg in die Mythologie gefunden haben? Reitende, nomadische Steppenvölker haben beispielsweise schon in der Kupferzeit immer wieder sesshafte Bauernkulturen in Europa überfallen und im Falle der Jamnaja-Kultur (vor 3000-5000 Jahren) ist es ihnen sogar gelungen sich nachhaltig mit der Bevölkerung zu mischen. Denn ihre Gene finden sich heute auch bei uns modernen Europäern. Der Durchschnittseuropäer verdankt ihnen die helle Haut, helle Haare und helle Augen. Aber das nur als kleine Anekdote nebenbei.

Größenwachstum ist bei Menschen also bis zu einem gewissen Grad möglich und ein völlig normales Phänomen. Gute Ernährung und wenige Krankheiten lassen die Menschen wachsen. Bei uns modernen Europäern sogar bis zu zwei Meter im Normbereich (je nach Berechnung, Geschlecht etc.). Aber auch Riesenwuchs oder Gigantismus ist bekannt. Der größte (bekannte) je lebende Mensch war 2,72 m groß.

 

Die Ur-Angst vorm Übermächtigen

Warum aber sind Riesen in vielen Kulturen, quer durch die Menscheitsgeschichte so präsent in Mythen, Legenden und Märchen? 

rieseimwald

Um das zu verstehen, müssen wir uns genauer ansehen, welche Rolle Riesen in den Geschichten spielen. 

Die Titanen in der griechischen Mytologie und die Jötun in der nordischen Mythologie geben uns da schon einen sehr guten Einblick. Sie kämpfen gegen die neueren, gesitteteren Götter und unterliegrn. Bevor es diese gab, waren sie unkontrollierbare Naturgewalten und haben Zerstörung für die Welt bedeutete.

Für die Menschen, die damals weder wusste was Plattentektonik ist, wie Wetterphänomene entstehen oder was Krankheiten auslöst, waren diese Ereignisse erschütternd. Und sie waren ihnen hilflos ausgeliefert.

Wer hat Gebirge aufgehäuft? Wer kann Flutwellen verursachen, die ganze Küstenstreifen überschwemmen? Wer kann Erdrutsche auslösen?

Aus der Sicht der Mensch damals mussten es Wesen sein, die groß und stark genug waren dies zu bewältigen. Riesen, Giganten und Titanen waren also die Personifikation von Naturgewalten. Die neuen Götter haben sie besiegt und geben ein Sicherheitsgefühl.

 

So viel zum geschichtlichen Hintergrund. Was verrät uns aber die Paläontologie?

 

Gab es Riesen wirklich?

Bereits die Frühmenschen sind immer größer geworden. Eine Studie zeigt, dass es zu mehreren Sprüngen im Wachstum kam (CORDIS, ADAPT-Projekt). Der erste als die Gattung Homo (lat. Mensch) entstanden und die zweite als der Homo erectus erschien. Letzterer ist übrigen der, von dem man annimmst, dass er als erster das Feuer nutzte. Erst als die Frühmenschen in Regionen nördlich des Mittelmeers vordrangen, setzte ein weiteres Größenwachstum ein. 

Wissenschaftler vermuteten, dass die Veränderungen jeweils auf Anpassungen an Umweltbedingungen zurück zu führen sind.

Verlassen der Wälder - Eroberung der Steppe:

Ein größerer Körper hat mehr Oberfläche um durch Schwitzen die Hitze zu regulieren. Eine ausdauernde Verfolgung von Wild in trockenem Klima ist daher einfacher.

Kälte-Regulation:

Außerdem können größere Körper besser Wärme regulieren. Bei der Eroberung Eurasiens in der dritten Wachstumswelle war ein größerer Körper daher von Vorteil.

 

Aber auch wir - der moderne Mensch (Homo sapiens) - wächst stetig. 

In den letzten 100 Jahren sind wir um 15 cm gewachsen. Vermutlich Dank einer besseren Gesundheitsversorgung und einer besseren Ernährungsweise.

 

Werden wir also ins Unendliche wachsen und irgendwann selbst zu Riesen?

Klare Antwort: Nein. Unsere Beinknochen könnten schlecht unser Gewicht ab ungefähr 2,75 cm nicht mehr tragen. Und unser Herz könnte nicht genug Blut zum Gehirn pumpen. 

Schon jetzt ist Riesenwuchs oder auch Gigantismus mit einer reduzierten Lebenserwartung verbunden. Betroffene dieser physiologischen Veränderung leiden an verschiddenen Erkrankungen in deren Folge es zu Riesenwuchs kommt. Ruesenwüchsige waren aber immer Teil unserer Gesellschaft und das mit großer Wahrscheinlichkeit auch schon  bei den Griechen, Germanen und Ureinwohnern Amerikas. Sie haben somit wahrscheinlich den Glauben an Riesen bestärkt.

 

Gigantopithecus - der Ur-Riese

Er war der wahrscheinlich größte Menschenaffe, der je gelebt hat. Wie die Dinosaurier vor ihm und andere Riesentiere der damaligen Megafauna, hatte er gigantische Ausmaße. Eventuell erreichte er sogar bis zu 3,00 m Körpergröße bei ungefähr 500 kg, das Gewicht eines ausgewachsenen Eisbären. 

Der Homo sapiens kann selbst nie zu einem Riesen werden, aber ein Verwandter oder ein Nachfahre, könnte es. Wie die Vergangenheit zeigt, führen veränderte Umweltbedingungen zu genetischen und physiologischen Anpassungen und dies zur Entstehung neuer Gattungen und neuer Arten. 

 

Warnung zum Ende. Im WWW kursieren viele Fakenews über angebliche Funde von Riesenskeletten oder ganzen Riesenstädten. Leider ist da überhaupt nichts dran. Sobald mir neue Daten vorliegen, werde ich sie euch natürlich hier aktualisieren.