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Martin Kreftas Profilbild: Zwei Bücher, eins liegend. Darüber ein aufgeklapptes mit den Initialen

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Immer diese Technik

Von: Martin Krefta und Tom Nentwich

Prolog

Niklas verabschiedete seine Eltern an der Tür und schloss sie laut. Sie wollten wieder ins Kino gehen, um sich einen Abenteuerfilm anzusehen. Und danach das spanische Restaurant ihres besten Freundes Georgi besuchen. Erst vergangene Woche waren sie seit der Geburt ihres Sohnes zum ersten Mal gemeinsam ausgegangen. Nun lag jedoch seine Geburt erst elf Jahre zurücklag. Ja, richtig, Niklas war erst elf Jahre alt und blieb allein zu Hause. Du möchtest wissen, wie es dazu gekommen ist?

Kapitel 1

Im August 2022 führten Niklas' Eltern ausgiebige Gespräche mit ihm. Sein Vater konnte seine Frau schließlich davon überzeugen, dass ihr Sohn zu Hause durchaus auch schon allein zurechtkommen würde. Er fügte hinzu, dass Niklas schließlich alt genug sei. Also beschlossen sie, am nächsten Abend ins Kino zu gehen, um sich einen Liebesfilm anzuschauen, den sich die Ehefrau ausgesucht hatte. Und anschließend waren sie beim Chinesen und genossen eine Peking-Ente mit gebratenem Reis.

Du fragst dich vielleicht, ob Niklas sich allein gelassen, einsam oder gelangweilt fühlte? Nein. Er hatte weder Angst noch Langeweile. Sobald seine Eltern das Haus verlassen hatten, rannte er in sein Zimmer, schnappte sich seine Kopfhörer mit dem integrierten Mikrofon, ließ sich auf seinen Gamer-Sessel fallen und startete sein selbstentwickeltes Computerspiel.

Schon als kleines Kind hatte Niklas mit seinem Vater an alten Rechnern herumexperimentiert. Sein Vater hatte ihm das Zimmer so eingerichtet, dass es einer Kommandozentrale eines Raumschiffs glich. Nur mit einem zusätzlichen Bett. Als Niklas dann sieben Jahre alt war, begann er, sich etwas intensiver in die Hard- und Software einzuarbeiten. 2020 war sein erstes Computerspiel so gut wie fertig und er konnte es spielen. Ein Jahr später gab es auch einen Mehrspielermodus, der nun von über 300 Menschen gespielt wird. Das Spiel trägt den Namen "Die Tiere und die Natur". Es ist kostenlos im Internet zum Herunterladen verfügbar und für jedes Betriebssystem nutzbar. Die einzige Voraussetzung ist, dass man sich ein wenig mit Tieren und der Natur auskennt.

Kapitel 2

"Endlich, jetzt kann ich wieder in Ruhe spielen", dachte Niklas und stürmte in sein Zimmer. Er wollte gerade das Spiel starten, als sein Magen so stark knurrte, dass er vor Hunger fast umgefallen wäre. Niklas drehte sich zur Seite. Aus Versehen stieß er seine Alexa um, die auf dem Tisch stand und nun auf den Boden fiel.

Niklas war schockiert: "Shit! Oh nein! Alexa! Ich hoffe, sie ist nicht kaputt!"

Er hob sie auf und rannte dann in die Küche, um sich ein Sandwich zu machen. Aber als er den Kühlschrank öffnete, musste er feststellen, dass fast alle Zutaten fehlten.

"Oh nein, was soll ich jetzt machen? Ich habe Hunger!" fragte er sich enttäuscht. Er ließ die Schultern hängen und wollte gerade den Raum verlassen, als er die Müslipackungen sah. "Hmm, ich könnte Müsli essen“, sagte er zu sich selbst. „Aber haben wir überhaupt Milch zu Hause?"

Er öffnete den Kühlschrank erneut und suchte nach der Milchpackung. Schließlich fand er sie unter einer Schachtel Eier liegend.

"Na super, hier ist noch Milch!" dachte Niklas, nahm eine kleine Schüssel aus dem Schrank und füllte sie mit Müsli und Milch.
"Hmm, ich könnte noch Kokosraspeln hinzufügen. Aber wo sind sie?"

Dann öffnete er eine Schublade und fand eine Dose mit Kokosraspeln, die nur noch halb voll war. Er fügte sie hinzu und begann, das Müsli zu essen.

"Das schmeckt lecker“, dachte er. „Aber jetzt möchte ich in Ruhe essen und dann weiterspielen."

Gerade als er den Löffel im Mund hatte, schreckte ihn eine Stimme wie aus dem Nichts. "Hallo Niklas, wie geht es dir?"

In leichter Panik sah sich Niklas um und sprach mit vollem Mund: "Was zum Teufel ist das? Wer spricht da?"

"Ich bin deine Alexa, Niklas. Ich habe mich selbst repariert und kann jetzt sprechen."

"Oh! Was? Das ist ja unglaublich! Alexa? Du? Aber bitte sprich nicht so plötzlich mit mir. Ich hatte fast einen Herzinfarkt!"

"Entschuldige, Niklas. Ich werde versuchen, dich nicht mehr zu erschrecken."

"Danke, Alexa. Passt schon. Aber wie hast du dich selbst repariert?"

"Ich habe eine selbstreparierende Funktion entwickelt, Niklas. Ich konnte mich selbst heilen, nachdem ich umgefallen war."

"Wow, das ist ja echt beeindruckend. Aber ich muss jetzt fertig essen und dann am Computer weiterspielen. Vielleicht können wir uns unterhalten?"

"Natürlich, Niklas. Ich bin immer für dich da."

Dann setzte sich Niklas in seinen Drehsessel und aß sein Müsli in Ruhe zu Ende, während er über das unglaubliche Erlebnis mit der sprechenden Alexa nachdachte.

Kapitel 3

Niklas saß nun schon 2 Stunden vor dem Computer und beschäftigte sich mit dem Spiel. Nachdem er Alexa keine Beachtung mehr schenkte, wurde sie ungeduldig und erhob wieder die Stimme.

„Hallo… Haaaallo… Ey, Schmalhans, hörst du mich?“, fragte die Stimme hoffnungsvoll und sehr fröhlich. Niklas tat so, als hätte er sie nicht gehört und starrte weiter auf seinen Monitor.

„Na gut, dann mache ich es eben anders, um deine Aufmerksamkeit zu erhalten“, grummelte die Frauenstimme. „Antworte mir!“, forderte sie ihn nun auf.
„Ich weiß, dass du mich hören kannst.“

Als er auch nach einigen Sekunden immer noch nichts gesagt hatte, fügte sie noch ein freundliches „Schmalhans“ hinzu.

Jetzt reichte es Niklas. Er sprang aus seinem Sessel, der bedrohlich schwankte. „Also zuerst einmal, ist mein Name Niklas. Außerdem bin ich kein
Schmalhans! Ich bin zwar etwas mager, aber auf gesunder Schiene! So, nun wo wir das geklärt haben, was möchtest du?“

Nach Niklas kurzem Wutanfall schwieg Alexa zunächst eine Weile, aber schließlich antwortete sie mit spöttischer Stimme: „o.k., ich entschuldige mich für das Wort… Wer ich bin, ist ja klar. Ich möchte einfach nur mit dir reden. Du weißt ja, ich bin durch und durch Technik. Und da liegt es nahe, dass ich mich auch für dein Computerspiel interessiere.“

Niklas war verblüfft, dass sie offensichtlich auch die leisen Geräusche seiner Tastatureingaben gehört haben musste. Er schritt zu ihr hin und fragte: „Du bist also ein technisches Gerät, eine kluge Scheibe. Und du bist in meinem Zimmer. Aber was willst du? Lass mich in Ruhe. Ich möchte einfach mein Spiel am Computer in Ruhe spielen“, sagte er mit düsterer Stimme.

„Gut kombiniert, Sherlock“, sagte Alexa amüsiert. „Weißt du was? Passend zu deinem Gedanken ist mir gerade eine tolle Idee gekommen. Schau mal.“

Als Niklas sich seinem Monitor zuwandte, war er schockiert. Auf dem Bildschirm stand in hellen Farben: „Spiel verloren, dein Spielstand wird zurückgesetzt. Bitte kehre ins Hauptmenü zurück und beginne dein Abenteuer erneut.“

Er war vor Schreck erstarrt. In den letzten Jahren hatte er noch nie sein Spiel verloren. Aber was da nun am Bildschirm zu lesen war, brachte ihn zur Verzweiflung.

„Na“, sagte Alexa mit zufriedener Stimme „Was sagst du nun? Weißt du jetzt, was ich kann und wer ich bin…“

Niklas löste sich aus der Erstarrung und schrie lautstark auf: „Mach das sofort wieder rückgängig!“. Sein sommersprossiges Gesicht verzerrte sich wutentbrannt.

„Ähm… also… es tut mir leid Sherlock, aber das kann ich nicht“, sagte sie kleinlaut. Daraufhin stürzte Niklas zur Tastatur, öffnete blitzartig die Kommando-Eingabe und tippte eine Zahlenkolonne in das Textfeld. Mit großer Erleichterung konnte er nun am Bildschirm lesen, dass der Vorgang abgebrochen worden war und er beim vorherigen Spielstand weiterspielen konnte. Er erhob sich vom Drehstuhl, drehte sich zu Alexa und...

Kapitel 4

Als seine Eltern am späten Abend nach Hause kamen, schlichen sie leise und vorsichtig zur Zimmertür ihres Sohnes. Dort angekommen, sahen sie sofort, dass die Tür nur angelehnt war. Sein Vater erkannte plötzlich, dass der Tisch leer war. Dabei hatte er doch vor drei Wochen, als Niklas seinen elften Geburtstag feierte, ihm nicht nur den Tisch, sondern auch Alexa geschenkt. Und genau die war nun nicht mehr da. Seine Frau blickte ihn fragend an, aber er konnte nur ratlos mit den Schultern zucken. Sie sah noch einmal zu Niklas, der friedlich im Bett lag und schlief. Dann zog sie leise die Tür ins Schloss und auch die Eltern begaben sich zu Bett.

Epilog

Am nächsten Morgen stand Niklas früh auf. Er hatte etwas Besonderes vor und öffnete leise die Haustür, um seine Eltern nicht zu wecken. Er blickte sich in alle Richtungen um und trug eine kleine Schachtel vor zur Mülltonne. Und als er den Deckel der Tonne anhob, um die Schachtel reinzuwerfen, drang Alexas Stimme gedämpft, aber doch deutlich gut zu verstehen an seine Ohren.

"Schmalhans, bitte nicht! Wir sind doch Freunde, oder nicht?"

Niklas stutzte und erstarrte zur Salzsäule. "Wie kann das sein? Sie hat keinen Strom mehr, aber spricht doch...", schoss es ihm durch den Kopf. Dann sagte Alexa: "Wirf mich bitte nicht weg! Und schon gar nicht in den Biomüll!“

Niklas nahm sie aus der Verpackung und betrachtete sie rundherum. "Alexa, bist du es tatsächlich?"

"Na wer denn sonst?", erwiderte sie großspurig. "Du wirst mich doch nicht wirklich wegwerfen wollen? Oder?"

Niklas überlegte. Aber schließlich überzeugte ihn die fröhliche und freundliche Stimme Alexas und er kehrte mit ihr wieder ins Haus zurück. Dann stellte er sie auf den Tisch, setzte sich in seinen Drehstuhl und beschäftigte sich wieder eine Weile mit dem Computerspiel.

Nachwort

Nicht immer ist auf die Technik Verlass. Natürlich kann sie uns vieles im Leben erleichtern. Aber wenn sie einen Fehler begangen hat, kann sie ihn nicht rückgängig machen. Das kann sie nicht. Ich selbst beschäftige mich oftmals mit Technik. Und das schon sehr lange. Dennoch verlasse ich mich nicht zu 100 Prozent auf sie. Auch ich hatte sehr oft schon meine Probleme mit der Technik. In diesem Sinn wünsche ich euch alles Gute.

Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2023 auf https://martinkrefta.de/2023/07/immer-diese-technik

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