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Regenbogenzauber für Klasse drei und vier

Von: Martin Krefta und Tom Nentwich

In einer magischen Welt, die nicht von Menschen, sondern von sprechenden Tieren und fantastischer Natur beherrscht wurde, erhob sich der Adler Apollo mit den ersten Strahlen der Morgensonne. Seine großen Flügel schwangen mächtig durch die Luft, während er hoch über den Baumwipfeln flog. Apollo war kein gewöhnlicher Adler. Seine scharfen Augen sahen weit in die Ferne, und er konnte selbst die leisesten Geräusche des Waldes hören. An diesem besonderen Morgen trug der Wind wispernd eine geheimnisvolle Nachricht, die Apollo vollkommen neugierig machte.

Unten im Wald der alten, knorrigen Bäume bemerkte die weise Eule Ophira den Schatten des großen Adlers. Ihr silbergraues Gefieder war mit Flecken gesprenkelt, die im fahlen Licht des frühen Morgens wie Sterne funkelten. Die Augen blickten tief und allwissend hinauf, als sie rief: „Apollo, gut siehst du heute aus in der Morgensonne! Was führt dich zu dieser frühen Stunde zu mir?“ Ihre Stimme war sanft und trug die Ruhe der uralten Wälder in sich. Ein Echo der Weisheit, die sie über die Jahre gesammelt hatte.

Apollo landete sanft unmittelbar neben ihr auf einem alten, moosbedeckten Ast. „Liebe Ophira, der Wind wollte mir während meines Fluges von einem Problem berichten. Weißt du, was er mir zu sagen versucht hat?“

Ophira, die so viel wusste, wie der Wald bereits alt war, nickte bedächtig. „Ja, mein Freund. Gestern ist ein Regenbogen tief im Wald am See erschienen. Doch er war blass und fast farblos. Er hat offenbar ein großes Problem und bringt eine graue Magie mit sich, die nur wenige erleben sollten.“

Der große Adler neigte ihr fasziniert den Kopf zu. „Ein kranker Regenbogen, wirklich? Na, der muss ja ein Problem haben, das ich gerne mit eigenen Augen sehen möchte.“

„Ja, so ist es“, bestätigte Ophira. „Aber er ist tatsächlich schon ganz schwach. Der Regenbogen braucht Hilfe, um seine Kraft der Farben wiederzugewinnen. Folge dem Lauf des Wassers zum blauen See, dort, wo der Regenbogen die Erde berühren müsste. Vielleicht kannst du ihm helfen, damit er seine Kraft und Schönheit wiedererlangen könnte.“

„OK, dann werde ich den armen Regenbogen suchen und versuchen, sein Problem zu erkennen und ihm zu helfen. Danke, Ophira, für deine weisen Worte.“
Mit einem kraftvollen Flügelschlag erhob sich der Adler wieder in die Lüfte und flog dem Geheimnis entgegen, das der Wind ihm zugewispert hatte. Die alte Eule blickte ihm nach und flüsterte: „Sei vorsichtig, mein Freund. Und lass dich nicht von der Schönheit der Umgebung täuschen.“

Als Apollo dem Rauschen des Windes folgte, führte ihn sein Weg tiefer in den Wald, wo die Sonnenstrahlen nur mühsam durch das dichte Blätterdach drangen. Der Wald war lebendig mit den Geräuschen des Morgens. Vögel zwitscherten, und irgendwo in der Ferne schien ein Wasserfall zu rauschen. Er genoss die frische Luft und die Düfte der Natur, als er dem Ufer des blauen Sees näherkam, wo der Regenbogen eigentlich sein Ende finden sollte.

Dort am Seeufer traf Apollo auf Felix, den Frosch, der gerade gemütlich auf einem Seerosenblatt saß. Seine leuchtend grüne Haut schien im Licht des Morgens fast zu schimmern. Und mit seinen großen, neugierigen Augen, die immer von einem Hauch von Träumerei umgeben waren, blickte er auf und lächelte dem Adler zu. „Hallo Felix! Hast du den Regenbogen gesehen? Er soll hier irgendwo sein“, rief Apollo, während er elegant auf einem nahegelegenen Felsen landete.
Felix, der immer ein wenig träumerisch in die Welt blickte, hüpfte aufgeregt auf seinem Blatt herum. „Oh, Apollo, nein, ich habe ihn noch nicht gesehen. Aber ich habe Gerüchte gehört, dass er ganz in der Nähe sein soll. Ein Regenbogen ohne Farben. Stell dir das mal vor!“

Apollo blickte über den See, wo das blaue Wasser ruhig und klar war. „Komm, schließ dich mir an, Felix. Vielleicht können wir ihm gemeinsam helfen. Er soll doch uns allen wieder seine tollen, bunten Farben zeigen.“

In dem Moment, als Felix zustimmte und zu Apollo hinübersprang, erschienen die Umrisse des Regenbogens am Himmel und begannen ein wenig heller als bisher zu leuchten. Und ein zartes Grün fügte sich den schwachen Farben hinzu. Felix' Anwesenheit schien dem Regenbogen ein wenig die Frische und Lebendigkeit des Frühlings zu verleihen.

„Schau! Dein Kommen hat ihm schon geholfen. Er gewinnt an Farbe“, bemerkte Apollo erfreut.

In diesem Moment kam das kleine Eichhörnchen Paula mit einem eleganten Sprung von einem nahegelegenen Baum und gesellte sich zu den beiden. Ihr Fell schimmerte rotbraun im sanften Licht des Waldes. Sie war bekannt für ihre Neugier und ihre schnellen Bewegungen. „Hallo, ihr beiden! Ich habe gehört, wie ihr über den Regenbogen gesprochen habt. Darf ich mit euch kommen? Ich liebe doch solche Abenteuer!“, rief sie mit einer Stimme, die so sprudelnd und lebhaft war wie ein plätschernder Bach. Felix und Apollo nickten fröhlich. „Natürlich, Paula. Je mehr wir sind, desto besser. Kranke Regenbögen sind doch sicher magisch belastet. Und wer weiß, was wir da noch alles entdecken werden, um ihm helfen zu können!“

Paula schloss sich ihnen an und sofort begann ein warmes Orange die Farben des Regenbogens zu verstärken. Ein Zeichen ihrer sprudelnden Energie und ihres unermüdlichen Geistes.

Gemeinsam machten sie sich nun auf den Weg entlang des Ufers. Apollo flog über ihnen, während Felix und Paula durch das Unterholz hüpften und kletterten. Die Aufregung in ihren Herzen wuchs mit jedem Schritt, denn die Suche nach dem Regenbogen versprach ein großes Abenteuer zu werden. Plötzlich hielt Paula inne, deutete auf den Himmel und rief: „Schaut, schaut! Der Regenbogen, er beginnt zu leuchten!“ Tatsächlich, der Bogen am Himmel zeigte nun deutlichere, kräftigere Farben. Ein zartes Grün und ein warmes Orange hatten sich den schwachen Farben hinzugefügt. Nun wurde den drei Freunden bewusst, dass die Anwesenheit jedes neuen Freundes dem Regenbogen offenbar geholfen hatte, ein Stück seiner verlorenen Kraft zurückzugewinnen.

Mit entschlossenen Blicken und klopfenden Herzen durchquerten sie nun den immer dichter werdenden Wald, um endlich das andere Ende des Regenbogens zu finden. Die Sonne schien durch das Blätterdach und der Duft von Moos und Harz erfüllte die Luft. Je weiter sie voranschritten, desto mehr bemerkten sie, dass dem Regenbogen, der zwischen den Bäumen hindurchschimmerte, noch viel an Farbintensität mangelte. Es war, als ob er die drei Freunde anflehen würde, ihnen zu helfen, endlich die volle Leuchtkraft wiederzuerlangen. Plötzlich raschelte es im Unterholz, und ein Fuchs mit leuchtend rotem Fell tauchte vor ihnen auf. Seine starren Augen funkelten neugierig, als er die Freunde betrachtete.

„Paula, Felix, schaut mal, da ist ein Fuchs!“, rief Apollo aufgeregt mit tiefer Stimme.

Mit langsamen Schritten näherte sich ihnen der Fuchs und sprach mit sanfter Stimme: „Entschuldigt die Störung, aber ich habe eure Stimmen gehört und wollte sehen, wer ihr seid. Mein Name ist Fintan.“

Paula trat vor und lächelte den Fuchs freundlich an. „Keine Sorge, Freund. Wir sind hier, um dem Regenbogen zu helfen, seine Farben wiederzugewinnen. Komm doch mit uns, vielleicht kannst auch du uns unterstützen.“

Der Fuchs nickte zustimmend und schloss sich der Gruppe an. Sofort begann ein tiefes Rot, die blassen Farben des Regenbogens noch stärker zu intensivieren. Ein wertvolles Symbol seiner zunehmend mutigen und lebhaften Natur. Ermutigt durch diesen neuen Hinweis und die Hoffnung, den Regenbogen retten zu können, setzten die vier Freunde sofort ihren Weg durch den Wald fort. Sie alle waren nun energiegeladen bereit, den Regenbogen in seinem vollen Glanz wiederherzustellen.

Als Apollo und seine Freunde das sanfte Ufer des blauen Sees entlangwanderten, bemerkten sie ein rhythmisches Klopfen, das von einer kleinen, bewaldeten Insel in der Mitte des Sees kam. Neugierig näherten sie sich dem Ufer, von wo aus sie einen besseren Blick hatten. Dort sahen sie einen Biber, der mit seinen starken Zähnen geschickt an einem Baum nagte. Paula, die immer gesprächig und freundlich war, rief hinüber: „Hallo dort! Wer bist du und was machst du da?“

Der Biber hielt inne und drehte sich um. Sein pelziges Gesicht zeigte ein breites Lächeln. „Guten Tag! Ich heiße Sebo. Ich baue hier an meiner Behausung. Und wer seid ihr, wenn ich fragen darf?“

Mit seiner tiefen, beruhigenden Stimme sprach ihn nun Apollo selbst an. „Wir sind Freunde auf einer Mission, um dem Regenbogen seine Farben zurückzugeben. Und wir haben festgestellt, dass jeder neue Freund, den wir treffen, dem Regenbogen hilft, wieder heller und farbenfroher zu werden. Möchtest du uns begleiten?“

Sebo’s Augen leuchteten vor Aufregung. „Das klingt nach einem tollen Abenteuer! Ich würde mich natürlich gerne anschließen.“ Er schwamm geschickt zum Ufer, wo er sogleich von Felix, Paula und den anderen herzlich empfangen wurde.

Kaum war Sebo der Gruppe beigetreten, geschah etwas Wunderbares. Der Himmel über ihnen leuchtete auf, als ein kräftiges Blau, das die Tiefe und Ruhe des Sees widerspiegelte, sich in den Regenbogen einwebte. Die Anwesenheit des Bibers brachte eine frische Brise der Harmonie, die den Regenbogen sichtlich stärkte.

„Seht nur, wie der Regenbogen leuchtet! Sebo, deine ruhige und beständige Art gibt ihm die Kraft, die er braucht“, sagte Felix fröhlich und hüpfte auf einem Bein. Sebo, der ja zuvor allein an seinem Projekt gearbeitet hatte, fühlte sich nun als Teil einer größeren Gemeinschaft. „Ich freue mich, dass ich helfen kann“, sagte er und beobachtete, wie der Regenbogen nun in voller Pracht strahlte, ein Symbol ihrer gemeinsamen Anstrengungen und der neu gefundenen Freundschaft.

Das Ende des Regenbogens entpuppte sich als Ort von unglaublicher Schönheit. Die fünf Freunde Apollo, Felix, Paula, Fintan und Sebo hatten den Wald durchquert und standen nun am Rand einer Lichtung, die von den leuchtenden Farben des Regenbogens erhellt wurde. Die Strahlen der untergehenden Sonne brachen sich in den Tautropfen, die wie unzählige kleine Diamanten auf den Blättern und Gräsern funkelten.

„Schaut nur, wie wunderschön das ist!“, rief Paula aus, während ihre Augen im Licht des Regenbogens funkelten. Der Frosch Felix hüpfte aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. „Es ist wie ein Traum, der wahr geworden ist. Aber was bedeutet das alles? Warum und wie haben wir dem Regenbogen nun helfen können? Was ist das Geheimnis dahinter?“

Apollo ließ sein Adlerauge über die Lichtung schweifen und dachte nach. „Vielleicht“, begann er langsam, „ist das Geheimnis des Regenbogens nicht etwas, das wir nur finden müssen, sondern etwas, das wir in uns selbst entdecken können. Vielleicht steht ja der Regenbogen insgesamt für Hoffnung, Freundschaft und für die Kraft der Gemeinschaft von Freunden.“

Der Fuchs, der neben ihm stand, nickte zustimmend. „Genau das fühle ich auch. Obwohl wir das Ende des Regenbogens gefunden haben, haben wir etwas viel Wichtigeres entdeckt – die Bedeutung von Freundschaft und Zusammenhalt.“

Ein warmes Gefühl der Verbundenheit erfüllte ihre Herzen, als sie alle dort zusammenstanden, sich umarmten und den Moment der Einheit und des Friedens genossen. Der Regenbogen schien über sie zu wachen. Ganz, als ob er sie segnen würde und ihnen Glück und Erfolg auf ihren weiteren Abenteuern wünschte. 
Und so endete das Geheimnis des Regenbogens nicht mit einem spektakulären Abenteuer oder einer verborgenen Schatzkiste. Nein, sondern mit dem Gefühl des Glücks über das Wunder der Natur und die Geschenke des Lebens.

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