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Seda brennt

Von:  Martin Krefta und Tom Nentwich

Marko stand an der Reling der Schiffsfähre und atmete tief ein. Nicht weit entfernt konnte er schon den Landstrich seiner Heimat erkennen. Bald würde er seine Familie wiedersehen und sie endlich wieder in den Armen halten dürfen. Er hatte so lange darauf gewartet, nach Hause zurückzukehren.

Plötzlich durchbrachen laute Rufe die Stille. Aus den Gedanken gerissen, schaute er wieder genauer zur Küste. War das Rauch, den er da sah? Hinter ihm sprach einer der Matrosen den Kapitän aufgeregt an: "Kapitän, Seda steht in Flammen, der Hafen brennt. Wir können da nicht anlegen!"

Sofort schoss ein Schreck durch Markos Körper. Wie sollte er zu seiner Familie kommen, wenn der Hafen in Flammen stand? Enttäuschung und das Gefühl der Hilflosigkeit machten sich in ihm breit. Er war so nah an seinem ersehnten Ziel – und nun doch noch so fern.

Inzwischen hatte der Kapitän noch weit vor dem Hafen den Befehl gegeben, die Fähre zu ankern. Alle starrten zu den tiefschwarzen Rauchschwaden hinüber. In diesem Moment fiel Marko ein, dass er ja einen alten Freund an Bord der Fähre hatte. Vielleicht konnte der ihm helfen. Marko zögerte nicht und machte sich auf den Weg zu ihm in den Maschinenraum.

Als er bei ihm ankam, erzählte er ihm von der Situation im Hafen und bat ihn um Hilfe.

"Anton, ich muss nach Hause zu meiner Familie. Aber der Hafen steht in Flammen und das Schiff kann nicht anlegen. Was sollen wir tun?", fragte Marko ihn besorgt.

Anton legte ihm eine Hand auf die Schulter und sagte:

"Keine Sorge, Marko. Ich habe eine Idee, die wir nutzen können, um dich sicher zu deiner Familie zu bringen. Aber wir müssen schnell sein."

Marko atmete erleichtert auf und bedankte sich bei Anton. Sie ließen eines der Ruderboote zu Wasser. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg an der Küste entlang, um den brennenden Hafen zu umgehen.

Während der Fahrt fragte Anton: "Wie lange bist du schon auf See?"

"Seit drei Jahren. Ich war auf einer Handelsreise in Asien. Es war eine harte Zeit für mich", antwortete Marko und sah traurig aus.

"Das kann ich mir vorstellen. Aber du bist jetzt wieder zu Hause. Das ist alles, was zählt", erwiderte Anton aufmunternd.

Als die beiden das Haus von Markos Familie erreichten, standen seine Frau und die Kinder am Eingang und weinten vor Freude. Marko fiel seiner Frau um den Hals und hielt seine Kinder fest. Dank Antons Hilfe hatte er es geschafft, nach Hause zu kommen, auch wenn es schwierig gewesen war.

"Wie geht es euch? Habt ihr alle durchgehalten?", fragte Marko seine Familie und stellte ihnen Anton vor.

"Wir haben auf dich gewartet und gebetet, dass du sicher nach Hause kommst", sagte seine Frau mit Tränen in den Augen.

Von diesem Tag an wusste Marko, dass er immer auf seine Freunde zählen konnte, egal was passieren würde. Und er wusste, dass es keinen besseren Ort auf der Welt gab als zu Hause bei seiner Familie.

Artikel veröffentlicht am 9. Juni 2023 auf https://martinkrefta.de/2023/06/seda-brennt

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