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Wie finde ich Ideen für Fantasywesen?

Von: fabelwesenmutter

Dieser Artikel richtet sich an alle Kreativen, die meinen Blog besuchen. Denn das ist die Frage, die uns alle am meisten beschäftigt. Als kreative Person sitzt man vor einem leeren Blatt oder einer leeren Leinwand und möchte etwas schaffen, das neu ist, das kreativ ist. Aber wo fängt man an, was macht Sinn und ist plausibel und damit glaubwürdig? 

Dieser Artikel ist der Auftakt zur Klärung der Frage: Wo werden Fabelwesen geboren?

Wir wissen natürlich, dass sie in unseren Köpfen entstehen und entweder in Form von Worten oder Bildern das Licht der Welt erblicken. Der Blog möchte euch genau bei dieser oft schwierigen Geburt helfen.

 

Wo finden andere Kreative ihre Ideen?

 

1. Was wäre wenn?

Eine Methode, die viele Kreative verwenden, ist die Was-wäre-wenn-Methode. Es ist ganz einfach, man Orientierung sich an dem was es bereits gibt und fragte sich: Was wäre wenn es ganz anders wäre?

Ein Beispiel: Was wäre, wenn ein Regenwurm das für den Menschen gefährlichste Lebewesen auf der Welt wäre? 

Und schon geht es los. Was müsste der Wurm haben um gefährlich zu sein? Was benötigt er hierfür? Zum Beispiel ein besonders tödliches Gift. Kleine Lebewesen, wie Skorpione, Spinnen und Schlangen sind für uns deshalb gefährlich, weil sie über entsprechende Gifte verfügen. 

 

Und dann sind wir schon bei der nächsten Methode:

 

2. Verwende schon Existierendes (und kombiniere es neu)

Unser Regenwurm ist nun giftig und damit super tödlich für Menschen, die ihm zu nahe kommen. Nur wo sitzt dieses Gift? Möchten wir dem Wurm ein großes Maul geben mit Giftzähnen wie bei Schlangen? Oder soll er einen Stachel haben, wie wir ihn bei Skorpionen sehen? Schaut euch in der Tierwelt um, sie ist voller Beispiele. Zu empfehlen sind vor allem Tierdokumentationen, um auf neue Ideen zu kommen. 

Wir wählen für unseren Wurm einen anderen Weg und zwar soll schon seine Haut bei Kontakt Gift absondern. Und damit sind wir bei der dritten Methode:

 

3. Ein Lebewesen passt sich seiner Umgebung an

Warum benötigt der Regenwurm dieses Merkmal? In der Natur hat alles einen Sinn, kein Merkmal und sei es auf den ersten Blick noch so unnütz, existiert ohne Grund. Es verschafft seinem Besitzer immer mindestens einen Vorteil, der ihm das Überleben sichert. 

Im Falle unseres Wurms könnte das Gift einfach nur dazu dienen, sich selbst zu schützen z.B. gegenüber hungrigen Fressfeinden. Aber es wäre nicht sehr tödlich für Menschen, die sich bei der Gartenarbeit mit Gummihandschuhen oder beim Spaziergang mit dicken Schuhsohlen schützen könnten. Also wählen wir wieder einen anderen Weg und machen den Wurm zu einem Fressfeind des Menschen. Gruselig!

Regenwürmer kommen bei Regen zu Hauf aus dem Boden und kriechen durch die Gegend. Warum sie das tun weiß man noch nicht mit Sicherheit. Man vermutet, dass sie das feuchte Milieu nutzen, um neue Nahrungsgebiete zu erreichen. In unserem Fall kommen sie ebenfalls bei Regen an die Oberfläche, allerdings natürlich nur nachts, wenn ihre Beute - der Mensch - tief und fest schläft und wehrlos ist. Echte Parasiten, wie Bettwanzen, machen es genauso.

In unserem Fall ist das feuchte Milieu deshalb zwingend nötig, damit die feuchte und giftige Haut nicht austrocknet. Der Wurm hat sich also an seine Umgebung angepasst, so wie bestimmte Mückenarten erst nachts aktiv werden und das Opfer am nächsten Tag verstochen aufwacht. 

Unser Wurm ist besonders gruselig, denn er braucht den Menschen als Opfer, um zu überleben. Aber was benötigt er vom Menschen? Er könnte, wie die oben genannten Parasiten an unser Blut wollen. Aber wir sind jetzt besonders kreativ und verwenden noch einmal Methode 2:

Unser Wurm will nicht nur das Blut, er will den ganzen Körper. Dafür könnten wir ihn einfach größer machen und so ermöglichen, dass er den Menschenkörper, wie eine Schlange im Ganzen verschlingt. Oder aber wir suchen uns ein anderes Beispiel aus der Natur, die Pilze. Parasitäre Pilze in den Tropen infizieren Insekten und zersetzen sie von ihnen heraus. Unser parasitärer Regenwurm macht es ähnlich, er kriecht durch Nase, Ohren, Mund oder andere Körperöffnungen, um in das Innere des Menschen zu gelangen. Dieses oder ähnlichem Verhalten finden wir bei vielen Parasiten. Dasselfliegen schießen ihre Eier im Flug in den Mund ihres Opfers, andere Fliegen legen ihre Eier außen ab und die schlüpfenden Larven kriechen in Mund, Vagina oder Wunden, um dort das Gewebe nach und nach aufzufressen. Unser Wurm sondert sein Gift ab, es lähmt das Opfer zunächst und er frisst sich langsam durch das Gewebe. Dabei legt er Eier, aus denen weitere Würmer schlüpfen. Das Gift wirkt nicht sofort tödlich. Unser Opfer soll schließlich nicht gleich sterben und es soll auch nicht merken, dass es krank ist und zum nächsten Arzt gehen. Nein, unser Wurm betäubt sein Opfer und macht es schläfrig. Erst wenn die Jungen geschlüft und gut genährt sind, ist die Menge an Gift so hoch, dass der Wirt schließlich stirbt. Im Schlaf natürlich, was in der Regel nachts der Fall ist. Und dann wenden wir wieder Methode 3 an:

Unser menschliches Opfer lebt in einem Gebiet, in dem es viel regnet z.B. in der Regenzeit. Der Wurm und seine Nachkommen verlassen den Körper unentdeckt in der Nacht und bei Regen, damit ihre Haut nicht austrocknet. Es ist ein warmes Land, in dem die Menschen arm und primitiv in Lehmhütten leben. Der Weg zum sicheren Erdreich ist daher nicht weit. 

 

Das ist zugeben ein schrecklich gruseliges Fantasywesen. Ihr seid frei andere, womöglich friedlichere Kreaturen zu schaffen. An diesem Beispiel seht ihr aber welche Methoden euch zur Verfügung stehen. 

Zum Schluss fehlt nur eines: 

 

4. Namensfindung

Gerade wenn man etwas Schriftliches zu Papier bringt, sollte es für den Leser greifbar sein. Wir könnten unseren Wurm einerseits ganz kreativ Pluviamorphoid nennen. Das würde aber eine sehr ausführliche Beschreibung nötig machen, bei der die Gefahr besteht ins Info Dump zu rutschen. Wer es seinen Lesern und sich einfacher machen möchte, wählt einen Namen, der direkt vertraute Bilder weckt. Zum Beispiel Schlingwurm, Regenkriecher oder Nachtfresser. 

Testet euch einmal selbst. Welche Bilder habt ihr vor Augen, wenn ihr von einem Klippenwolf, einem Wasserbären, einem Wüstenobelisken oder einer Blutmähre (Mähre = Stute) lest?

 

Weiter geht es im nächsten Artikel, um eine Vertiefung der Thematik. Ihr habt ein eisiges Land geschaffen, sucht nun aber ein Lebewesen, das dort hinein passt? Oder euer Protagonist wandert durch die Wüste und wird von etwas Gefährlichem angegriffen. Aber von was? Freut euch auf die Fortsetzung in der ich Methode 3 vertiefe.

 

Bei Fragen und Ideen meldet euch unter fabelwesenmutter@gmx.de 

 

Eure Fabelwesenmutter

 

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