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Martin Kreftas Profilbild: Zwei Bücher, eins liegend. Darüber ein aufgeklapptes mit den Initialen

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Sohn

Von: Martin Krefta und Tom Nentwich

Wie jeden Abend sitzen der Vater und sein Sohn zusammen im Wohnzimmer und schauen fern. Aktuell läuft "Die Sendung mit der Maus". Plötzlich blickt der Junge zu seinem Vater hoch: "Papa, darf ich dich mal etwas fragen?"

"Natürlich, mein Junge. Was möchtest du wissen?"

"Sag mal, wie viel verdienst du eigentlich pro Stunde?"

"Ich denke nicht, dass du dich tatsächlich dafür interessierst. Warum fragst du?"

"Ich bin nur neugierig. Bitte sag es mir."

"Also gut. Ich verdiene 50 Euro pro Stunde."

"Oh", meint der Sohn erstaunt und senkt den Kopf. "Papa, könntest du mir 25 Euro leihen?"

"Ist das echt der Grund, warum du fragst? Du willst mir Geld aus der Tasche ziehen, um irgendein sinnloses Spielzeug zu kaufen? Das geht nicht, mein Freund. Ab ins Bett mit dir und denk darüber nach, wie egoistisch du bist. Ich arbeite hart und muss mir am Abend so etwas anhören!"

Der kleine Junge geht leise in sein Zimmer und schließt die Tür. Der Vater setzt sich hin. Je länger er darüber nachdenkt, desto wütender wird er. "Wie hinterhältig mein Sohn doch ist!“ denkt er. „Er stellt mir Fragen, um an Geld zu kommen!"

Nach einer Stunde beruhigt sich der Vater. Er beginnt, intensiver darüber nachzudenken. "Vielleicht gibt es etwas, das mein Sohn dringend braucht. Er bittet selten um Geld. Vielleicht braucht er die 25 Euro wirklich. Vielleicht habe ich ihm Unrecht getan."

Der Vater geht zum Zimmer des Jungen, öffnet die Tür und betritt das Zimmer. "Schläfst du schon?"

"Nein, Papa, ich bin noch wach."

"Ich habe nochmal darüber nachgedacht und war vielleicht etwas zu streng zu dir. Ich hatte einen langen Tag und alles hat sich angestaut. Hier sind die 25 Euro, die du wolltest. Es tut mir leid."

Der Junge lächelt. "Danke, Papa!" Dann holt er unter seinem Kissen ein paar weitere zerknitterte Euro-Scheine hervor. Der Vater sieht das und wird wieder wütend. Der Junge aber zählt langsam und ruhig das Geld. Schließlich schaut er seinen Vater an.

"Warum bittest du um Geld, wenn du schon welches hast?", fragt ihn sein Vater.

"Weil ich noch nicht genug hatte. Jetzt habe ich genug! Papa, darf ich eine Stunde deiner Zeit kaufen? Könntest du morgen früher von der Arbeit nach Hause kommen? Ich würde gerne mit dir gemeinsam essen."

Der Vater ist überrascht und gerührt. Er umarmt seinen Sohn und bittet ihn um Entschuldigung. Nachdem er seine Gefühle sortiert hat, schaut er seinen Sohn an und sagt:

"Du brauchst keine 50 Euro, um eine Stunde meiner Zeit zu kaufen. Meine Zeit gehört immer dir, mein Sohn. Ich werde morgen früher von der Arbeit nach Hause kommen, damit wir zusammen essen können. Aber wir werden nicht in ein Restaurant gehen. Wie wäre es, wenn wir gemeinsam kochen und unser eigenes Essen zubereiten?"

Der Junge strahlt vor Freude und umarmt seinen Vater.

Am nächsten Tag beginnen die beiden am späten Nachmittag, das Abendessen vorzubereiten. Sie lachen, reden und genießen es, wunderbare Stunden miteinander zu verbringen. Als alles zubereitet ist, setzen sie sich zusammen an den Tisch, um das Essen zu genießen. Der Vater erzählt seinem Sohn von seinen Erfahrungen in der Arbeit und wie er sich bemüht, für seine Familie zu sorgen. Der Sohn hört ihm zu. Dann sagt er:

"Ich verstehe das jetzt, Papi. Ich werde nicht mehr nach Geld fragen. Ich werde versuchen, dir zu helfen, wo ich kann."

Der Vater umarmt seinen Sohn erneut und sagt ihm, dass er stolz auf ihn sei. Er erklärt ihm, dass es wichtig ist, hart zu arbeiten und einander zu helfen, um gemeinsam glücklich durch das Leben zu gehen. Die beiden versprechen einander, immer offen und ehrlich zueinander zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen.

Und so endet die Geschichte von Vater und Sohn. Eine Geschichte, die uns daran erinnert, dass wir uns immer um unsere Lieben kümmern sollten und dass das Geld nicht immer das Wichtigste im Leben ist. Wir sollten uns immer daran erinnern, dass die Menschen, die wir lieben, unser wertvollster Besitz sind und wir - solange es die Gelegenheit dazu gibt - möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen sollten…

Artikel veröffentlicht am 5. Mai 2023 auf https://martinkrefta.de/2023/05/sohn

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