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Pandox

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Pandox - Das Geheimnis des grünen Diamanten

Author: Niklas Baudis, Tom Nentwich und Martin Krefta

Niklas saß in der Klasse und grübelte. In der Tür stand der Schuldirektor und sprach zu den Schulkindern. »Ich freue mich, euch alle im neuen Schuljahr begrüßen zu dürfen.«
»Wo ist Herr Pilke?«, fragte ihn Adrian.
»Er liegt leider mit einer seltenen Krankheit im Bett.«, antwortete der Direktor zurück. »Stattdessen bekommt ihr Herrn Schrein als Lehrer. Und jetzt viel Spaß.«
»Hallo Kinder.«, sagte der Aushilfslehrer mit ganz tiefer Stimme. Niklas fiel sofort etwas auf. Am Hosenbund des Lehrers baumelten einige Schlüssel und ein seltsam aussehender, grüner Anhänger. Der Junge starrte angespannt auf den Schlüsselbund des Lehrers und achtete nicht darauf, als er ihn direkt angesprochen hatte.
»Warum hörst du denn nicht zu, wenn ich etwas sage!«, schrie er Niklas an. 
»Wird’s bald!«, wandte er sich auch an die anderen Kinder. »Räumt endlich die Lernsachen raus!« 
In der großen Pause trafen sich dann die drei Freunde Lena, Adrian und Niklas am Sportplatz. Allen war der seltsame Anhänger aufgefallen. »Und was machen wir jetzt?«, fragte Lena. »Fragen wir ihn, was es mit dem Ding auf sich hat?« 
»Nein,« antwortete Niklas »wir müssen ihn einfach nur im Auge behalten.« 
Noch kurz bevor die Glocke das Ende der Pause einläutete, kehrten die Freunde in den Gang zur Klasse zurück. Als Lena durch die Klassentür schritt, kramte Herr Schrein in seiner Aktentasche nach irgendwelchen Zetteln oder so. Er fluchte brummig vor sich hin. 
»Kann ich ihnen vielleicht helfen?«, sprach Lena den Lehrer an. »Quatsch! Das kann ich schon selbst du unerzogene Göre! Setz dich sofort wieder auf deinen Platz!«
Zur Mittagspause saßen die drei Freunde gemeinsam an einem Tisch und hatten Teller mit Spaghetti vor sich. 
»Ist dir vielleicht noch etwas Besonderes aufgefallen?«, wollte Adrian von Lena wissen, während er die langen Nudeln um seine Gabel wickelte.
»Nein, gar nichts.«
»Das war aber heftig, wie er dich angeschrien hat.«
»Ich habe doch nur versucht, nett zu ihm zu sein.«
»Seine Reaktion war aber eine absolute Unverschämtheit.«
»Ja, da hast du vollkommen recht.«, sagte Niklas verständlich und griff nach dem Wasserglas. »Wir besprechen das morgen, wie das noch weiter gehen kann.«
Als die Glocke dann am Nachmittag das Ende des Schultages verkündet hatte, verabschiedeten sich die drei Freunde und stiegen auf ihre Fahrräder. Niklas fuhr neben Lena her und fragte sie: »Geht es dir nun besser? Dein Drama mit dem seltsamen Aushilfslehrer tut mir sehr leid.«
»Lass mich jetzt bitte allein.«, sagte Lena und radelte schneller los. Wenige Minuten später war sie bereits zuhause angekommen. Als sie das Wohnzimmer betrat, brummte Lena »Hallo Mama.« Dann warf sie sich sofort in die Couch und fing an zu weinen. 
»Was ist denn los mein Spatz?«
»Wir hatten heute einen Ersatzlehrer. Unseren Herrn Pilke hat extrem hohes Fieber ins Bett gedrückt.«
»Ja und? Hat dich das so sehr getroffen, dass du deswegen weinen musst?«
»Na diese Aushilfe schimpft nur herum, hat von nichts eine Ahnung und hat mich ohne Grund angeschrien, dass ich verschwinden soll.«
»Was? Er hat dich angeschrien?«
»Ja, dabei wollte ich ihm doch nur helfen, als er panikartig etwas gesucht hat.«
»Na das ist aber heftig. Also ich denke, ich werde mal mit ihm sprechen...«, sagte Lenas Mutter. 

Einige Tage später fuhren Lena und ihre Mutter am späten Nachmittag gemeinsam zurück in die Schule. Lena war zwar sehr nervös und hatte ein wenig Angst, aber sie beschloss dennoch, sich dem Lehrer zu stellen. Die beiden schritten entschlossen durch die mächtigen Eingangstore. Danach öffneten sie die Doppel-Glastüre. Jetzt waren sie im riesigen Gebäude und eilten durch den langen Gang. Sie eilten an den vielen großen Türen vorbei. Endlich kamen Lena und ihre Mutter vor dem Klassenzimmer an und klopften an die Tür. Nachdem sie Herr Schrein hereingebeten hatte, gingen sie mit entschlossenen Schritten zum Lehrertisch.
Sie ließen sich auf den Stühlen vor dem Tisch nieder und der Lehrer begrüßte die beiden. Dann begann Lena vom grünen Diamant-Anhänger zu erzählen und dass, wie Adrian und Niklas vermuteten, der Anhänger das Verhalten des Lehrers möglicherweise beeinflussen könnte. 
»Das ist doch alles totaler Unsinn!«, sagte der Lehrer verärgert. »Ich habe das Schmuckding auf einer Reise mit meiner Frau durch Ägypten gekauft.«
»Na und.«, sprach ihn Lena erbost an. »Was hat denn das damit zu tun, dass sie so unfreundlich zu uns sind?«
»Kinder und ihre Fantasie.«, ignorierte er Lena hochnäsig und wandte sich in schroffem Ton direkt an ihre Mutter. »Die können manchmal echt verwirrend sein, habe ich recht?«
»Also,« widersprach sie sofort mit erboster Stimme. »Meine Tochter erzählt keine Unwahrheiten!«
Nach ein paar Minuten wurde es Lena zu viel. Sie lief aus dem Klassenraum, stellte ihr Handy auf laut und rief Niklas an. Er hob sofort ab.
»Niklas! Hol mich hier raus!«, rief Lena ängstlich auf das Display. 
»Wo bist du? Was ist los?« 
»In der Schule. Ich erkläre dir alles später.«
»Ich komme so schnell es geht.«, sagte Niklas flott, bevor er auflegte. 

Lena lief in Panik sofort zum offenen Gangfenster und lehnte sich weit hinaus. Unten sah sie Niklas, der bereits mit dem Fahrrad auf die Schule zuraste. Da fühlte sie sich sofort etwas besser.
»Warte kurz!«, schrie der Junge lautstark zu Lena hoch, als er sich eingebremst und das Rad zur Seite fallen gelassen hatte.
»Beeil dich!«, rief das Mädchen zurück.
Niklas griff hastig zum Fahrradkorb und riss ein Seil aus dem Rucksack. 
»Fang!«, schrie er zu Lena und warf ihr das Seil hoch. Nachdem Sie es geschnappt und am Fensterkreuz verknotet hatte, schwang sie sich vom Fensterbrett nach außen. Ihr Versuch, sich nach unten abzuseilen, scheiterte kläglich. Schon nach wenigen Sekunden rutschte ihr das Seil durch die Handflächen und rieb die Haut auf. Sie musste loslassen und stürzte mit lautstarkem Aufschrei die letzten drei Meter im freien Fall nach unten.
Niklas hatte Lena beobachtet und als er ihren Sturz im Ansatz bemerkte, hastete er einen Schritt nach vorne und streckte ihr die Arme entgegen. Dadurch wurde Lenas Aufprall gedämpft und die beiden saßen nebeneinander am Boden.
»Ist alles ok?«, fragte Niklas besorgt.
»Ja danke. Mir geht es gut.«
»Was war denn da los?«
»Mama und ich waren beim Lehrer Schrein und wollten mit ihm über sein seltsames, unfreundliches Verhalten sprechen. Und dann hat er mich wieder angeschrien und ich musste unbedingt ganz rasch flüchten. Vielen Dank für deine Hilfe.«
»Na gerne doch. Hauptsache du hast dich nicht verletzt. Wo ist denn nun deine Mutter?«
»Sie ist immer noch im Gespräch mit diesem komischen Hilfslehrer.«
»Wir kümmern uns darum.«, sagte Niklas kühl und unterstützte Lena am Arm, als sie sich wieder aufrappelte. 

Nachdem sich Lena den Staub von der Kleidung geklopft hatte, eilten die beiden wieder zurück ins Schulgebäude und die Stiege in den ersten Stock hoch. Als sie um die Ecke in den Gang eingebogen waren, schlug Herr Schrein mit lautem Knall die Klassentür hinter dem Rücken von Lenas Mutter zu. 
»Hej!«, schrie sie ihm lautstark über die Schulter zu. »Spinnen Sie? Was soll denn das?«
»So ein komischer Kauz!«, rief ihr Niklas entgegen.
Ach Lena war erregt. »Seht ihr. Ich habe es euch ja gesagt. Mit dem stimmt was nicht.«
»Schon in Ordnung Kinder. Fahren wir nach Hause.«, sagte sie leise, als sie die beiden an den Schultern drehte und in Richtung Ausgangstüre schob. 

Als sie wieder im Auto saßen, wurde Lenas Mutter bewusst, was da los gewesen ist. Und auch warum ihre Tochter vor ein paar Tagen so bitterlich geweint hatte. 
»Dieser Lehrer scheint aber wirklich extrem streng zu euch zu sein.« 
»Sehr streng sogar.«, bestätigte Niklas. 
»Wo setzen wir eigentlich Niklas ab?«, fragte Lena ihre Mutter. 
»Nirgendwo.«, antwortete Niklas freudestrahlend.
»Wieso?«
»Na, weil ich bei dir schlafen darf.«
Die Stimmung im Auto war sofort wieder von immenser Freude geprägt. Kurz darauf bog Lenas Mutter links in die nächste Seitengasse und parkte am Straßenrand ein.
»So, wir sind da!«, sagte sie mit breitem Lächeln. Als die Kinder die Sicherheitsgurte gelöst hatten, eilten sie ins Haus.

Das Gebäude war groß und geräumig. Es hatte eigentlich alles, was eine Familie so brauchte. Eine modern eingerichtete Küche, das gemütliche Wohnzimmer, eine Terrasse mit Sonnendach und im Obergeschoß Bade, Schlaf und Kinderzimmer.
Die Kinder hatten sich auf der Terrasse niedergelassen und unterhielten sich über den Lehrer.
»Also ich habe keine Idee, was mit dem los ist.«, sagte Lena.
Niklas hatte bereits längere Zeit nachgedacht, bevor er ihr zustimmte. »Ja, ich auch nicht. Aber ich meine halt, dass ihn die Schulleitung nicht eingestellt hätte, wenn er keine fachlich ausgebildete Lehrkraft wäre.«
»Na das ist aber doch kein Grund, dass man derart mies mit uns Schülern umgeht. Ein Lehrer, der Schulkinder grundlos anschreit. Das geht doch gar nicht.«
»Ja natürlich Lena, da hast du schon vollkommen recht. Aber eventuell wäre es ja möglich, dass er irgendein Problem hat, von dem wir nichts wissen. Vielleicht hat er zu Hause Schwierigkeiten. Oder er leidet an einer Krankheit.«
»Und was meinst du, wie es da in der Schule weitergehen soll? Wir können das doch nicht so lange ertragen, bis unser Lehrer Herr Pilke wieder zurück ist.«
»Tja, da müssen wir uns etwas überlegen.«, verfiel Niklas mit leiser Stimme in eine tiefe Nachdenkphase. »Wir müssen uns etwas einfallen lassen.«
»Essen ist fertig!«, rief Lenas Mutter die beiden am späteren Nachmittag zu Tisch. Es gab leckere Palatschinken mit Marmelade. Nachdem sie mit dem Abendessen fertig waren, aktivierten die Kinder den Fernseher. Bereits eine Viertelstunde später schalteten sie ihn wieder aus, putzten die Zähne und machten sich bettfertig. Dann gingen die beiden in Lenas Zimmer. Sie legte sich in ihr Bett und Niklas auf die vorbereitete Matratze. Lenas Mutter wünschte ihnen gute Nacht und schaltete das Licht aus. Doch die Kinder konnten noch lange nicht einschlafen. 


Die beiden hatten in der Nacht von Freitag auf Samstag gar nicht gut geschlafen. Sie hatten beinahe die ganze Nacht über den Lehrer und sein seltsames Verhalten gegrübelt. Niklas streckte sich noch einmal auf der Matratze aus, bevor er aufstand. Die beiden gingen nach unten, wo Lenas Mutter schon mit dem Frühstück auf sie wartete. Sie saßen bereits am Tisch, als Niklas Handy läutete. Es war ein ‘unbekannter Anrufer’.
»Bitte komm schnell! Es ist wichtig!«, tönte es laut aus dem Mobiltelefon.
»Adrian bist du das?«, fragte Niklas. 
»Ja! Komm sofort in die Schule!«
»Was ist los?«
»Das ist unglaublich. Los, macht schon.«
»Lena kommt auch mit.« 
»Ja, ist in Ordnung. Kommt her. Ich muß euch was zeigen. Er ist hier in der Schule.«
»Was?«, reagierte Niklas erstaunt. »Wieso ist er da? Am Samstag?«
»Keine Ahnung Kumpel. Da geht irgendetwas vor sich. Los, kommt schon her.«
»Ok, bis gleich.«
Niklas tippte auf das Handy, um den Anruf zu beenden. »Komm Lena wir müssen sofort in die Schule. Adrian wartet dort auf uns.«
»Aber ihr müsst doch erst noch was essen. Hier sind noch zwei Äpfel.«
»Danke Mama!«, sagte Lena und lief durch die Haustür vor zum Gartentor, wo Niklas schon auf sie wartete. Kurz danach trafen die beiden Adrian am leeren Schulgelände. Heute war ja Samstag und schulfrei. Ihr Freund hatte sich am Parkplatz hinter den Büschen versteckt. Vor dem Schulgebäude stand ein altes, graues Fahrrad.
Die drei eilten durch die unversperrten Eingangstüren und schlichen sich hoch in den ersten Stock. Als sie sich dann an die Wand schmiegten und vorsichtig der offenstehenden Klassentür näherten, konnten sie seltsame Geräusche aus dem Klassenzimmer hören. Niklas legte sich auf den Bauch und schob sich ganz langsam so weit vor, dass er mit vorgestrecktem Kopf in die Klasse sehen konnte. Nahe der hintersten Ecke stand der Lehrer und hantierte in komplizierten Bewegungen mit seinem Schlüsselbund herum.
»Seht euch das an,« flüsterte Niklas seinen beiden Freunden über die Schulter nach hinten zu. Als sie ebenfalls den Oberkörper tiefliegend nach vorne schoben, konnten auch sie das seltsame Gehabe in der Klasse beobachten.
Herr Schrein ließ den Diamanten durch eine schwungvolle Handbewegung zu Boden fallen. Daraufhin rotierte der Edelstein einige Zentimeter über dem Holzboden immer schneller werdend und eine riesige, komplett weiße Nebelgestalt erschien. Sie reichte hoch hinauf, beinahe bis an die Zimmerdecke und schimmerte ähnlich graublau wie eine Rauchwolke. Im Inneren der Wolke schien eine kleine sonnenähnliche Kugel auf, die immer wieder kurz aufblitzte.
»Ein Geist!«, schrie Adrian erschrocken auf. »Ich habe gewusst, da ist etwas komisch.«
Niklas griff mit dem Arm hoch und presste seinem Freund den Mund zu. Auch Lena war erstarrt und krallte sich vor Angst mit beiden Händen auf Niklas Rücken fest. Die drei starrten mit weit geöffneten Augen in das Klassenzimmer.
»Schön dich wieder zu sehen,«, sagte der Lehrer Herr Schrein zu der weißen Gestalt.
»Hast du es geschafft?«, fragte sie ihn mit tiefer, intensiv angespannter Stimme.
»Nein, diese lästigen Kinder sind mir immer noch dicht auf den Fersen.«
»Darüber sprechen wir noch mal! Aber das nächste Mal bitte unter vier Augen! Und nicht unter zehn!«, schrie die weiße Gestalt dem Lehrer ins Gesicht! Plötzlich wurde sie rasend schnell immer dünner und verschwand wieder im Diamanten. Dann fiel er auf den Boden, rotierte noch kurz und blieb still liegen.
»Verdammt wir sind aufgeflogen!«, schrie Niklas seinen Freunden zu. Die drei sprangen blitzartig auf und verschwanden schnell hinter der auf dem Gang offenstehenden Klassentür. Der Lehrer brüllte aus dem Zimmer: »Kinder seid ihr das? Ich weiß, dass ihr das seid! Kommt sofort aus eurem Versteck!« 
Die drei Freunde stürzten hinter der Klassentür hervor und eilten auf den Lehrer zu. Niklas schrie ihn lautstark mit aufgebrachter Stimme direkt an: »Also darum können sie nicht nett zu uns sein! Was soll das? Wer ist diese Gestalt?« Weiter kam er nicht. Der Lehrer schien innerlich einzuknicken und begann trübselig zu erzählen: »Ihr habt recht Leute. Ich sollte den Anhänger eigentlich nicht tragen. Das war ein Fehler.« Er hatte sich auf einen der Kindersessel niedergelassen und erste Tränen liefen ihm über die Wangen, als er den Diamanten wieder vom Boden aufhob und verbissen anstarrte.
»Wieso, was war denn das?«, wollte Niklas wissen.
»Meine Frau hatte im Urlaub in Kairo einen kleinen, weit abgelegenen Antikladen namens ‘Pandox’ besucht. Da bekam man historische Andenken und mysthische Figuren. Und auch alte Schmuckstücke. Sie war von dem Diamant-Anhänger so sehr begeistert, dass sie ihn mitnahm und ihm ebenfalls den Namen ‘Pandox’ gab.« Der Lehrer seufzte tief durch und wischte sich die Tränen ab. Dann erzählte er weiter. »Wenige Wochen später hatten wir einen harmlosen Streit, ich schnappte mir den Schlüsselbund mit dem Anhänger und fuhr mit meinem Motorroller über die Serpentinen auf unseren Hausberg, den Kahlenberg. In einer Rechtskurve verlor ich den Anhänger, er kollerte im weiten Bogen über die Straße und plötzlich stand in der nächsten Kurve diese Kreatur vor mir. Sie stoppte mich und zwang mich dazu, Schulkinder künftig schlecht zu behandeln. Sonst würde mich die Gestalt sofort in eine Steinfigur verwandeln und an den Straßenrand stellen.«
Die drei Freunde waren von der Erzählung des Lehrers so erstaunt, dass sie sich mittlerweile ebenfalls Sessel zurechtgerückt hatten, um ihm gegenüber zu sitzen. Sie starrten ihn an und lauschten angespannt seinen Worten.
»Ich musste der Nebelgestalt also zusagen, dass ich künftig zu allen Schulkindern unfreundlich bin und versuche, sie so zu erniedrigen, dass sie in depressive Phasen fallen. Und sobald es ihnen dann so schlecht geht, würde er sie über Nacht zu sich in eine dunkle Welt holen.«
»Ja aber wieso hat das dann bei uns nicht geklappt?«, wollte Niklas wissen.
»Ja, das hat mich auch überrascht. Irgendwann ist mir dann aufgefallen, dass die Freundschaft von euch dreien so stark ist, dass ich mich mit meiner strengen, bösen Art nicht gegen euch durchsetzen kann. Also hat mir diese Nebelgestalt damit gedroht, mich selbst in seine Welt zu entführen.«
Der Lehrer wandte sein Gesicht um und richtete den starren Blick durch das Fenster über die Baumkronen der Parkanlage hinweg. Er seufzte nochmals ganz tief und sprach zu sich selbst: »Ich habe keine Ahnung, was ich nun machen soll.«
»Na wäre es denn keine Möglichkeit den Diamantanhänger zu zerstören und damit auch diesen bösen Geist zu beseitigen?«, fragte Adrian. 
»Doch, aber nur wenn ihr mir dabei helfen würdet.«
Lena stand auf und trat nach vorne. »Also ich wäre da auf jeden Fall dabei.«, sagte sie und streckte die rechte Hand nach vorne. Die beiden Jungs wandten sich ihr sofort zu, standen ebenfalls auf und legten ihre Hände auf Lenas Hand. Der Lehrer strahlte vor Freude über das ganze Gesicht und erhob sich auch von dem Sessel. 
»Bitte fasst euch an den Händen und bildet gleich hier einen Kreis.« Die Kinder schoben die Sessel zur Seite, begaben sich in die Mitte des Klassenzimmers und stellten sich breitbeinig im Kreis auf. Als sie sich an den Händen gefasst hatten, legte der Lehrer den Diamantenanhänger kurz in der Kreismitte auf den Boden, hob ihn wieder auf und drosch ihn dann mit einer schwungvollen Bewegung so hin, dass er genau in der Mitte des Kinderkreises landete. Sofort erschien die Nebelgestalt, die vorhin noch mit dem Lehrer geschimpft hatte, wieder. Sie kam aus dem Edelstein, schien jedoch irgendwie betäubt zu sein. Auch die vorher gelb strahlende Kugel war kaum noch sichtbar und leuchtete nicht. Es war auch keine Stimme mehr zu hören. Plötzlich machte die Gestalt einige Drehungen in sich selbst, wurde immer schmäler und zerfiel schließlich zu Staub. 

Einige Tage später hatte sich die ganze Klasse von Herrn Schrein auf dem Pausenhof versammelt. Während der ersten Unterrichtsstunde hatte ihnen der Schuldirektor die Nachricht überbracht, dass Herr Pilke heute wieder zurückkommen würde. Und sie sollten ihn hier erwarten. Ein Taxi fuhr in den Schulhof ein und die hintere Autotür öffnete sich. Ein Mann im Kapuzenmantel stieg aus und hatte die Kapuze so tief ins Gesicht gezogen, dass man ihn nicht erkennen konnte. Die Kinder wunderten sich und drehten sich zu Herrn Schrein um. Auch er starrte dem Ankömmling entgegen. Jedoch mit breitem Grinsen. Als der Fremde den Schulkindern weiter entgegenkam, zog er sich die Kapuze vom Kopf. Die Kinder schrien kurz auf und murmelten untereinander. Dann konnten sie sich nicht mehr zurückhalten und stürzten dem Mann entgegen. Da vorne stand Ihr Lehrer Herr Pilke. Sie freuten sich, dass er wieder da war, und umjubelten ihn.
In der Zwischenzeit hatte sich der Aushilfslehrer still und unbemerkt abgewandt, sein Fahrrad geschnappt und war abgefahren. 
Und wer weiß, vielleicht passiert das ja mal auch in deiner Schule. Und auch du hast so eine tolle, enge Freundschaft wie Niklas, Adrian und Lena.

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