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Ab wann ist Reichtum asozial?

Von: @don@microblog.social

 

Ich wettere immer mal wieder im Fediverse speziell gegen die Reichen und Hyperreichen, stelle aber immer wieder fest, dass viele einzelne Post dafür nicht das richtige Medium sind. Da mir das Thema aber wirklich sehr am Herzen liegt, habe ich hier einmal meine Meinung dazu zusammentragen.

 

Ab wann ist man reich
Damit klar ist, um was es hier genau gehen soll, erst mal eine kleine Definition dazu, was ich mit "Reich" genau meine. Ein Mensch ist dann reich, wenn er von den Erträgen seines Kapitals in Wohlstand leben kann, ohne dass er dafür sein Kapital verbrauchen muss. Wenn man von seinen Kapitalerträgen (Gewinnen) leben kann, bedeutet das insbesondere, dass man von der Arbeit andere lebt, denn Erträge können nur durch die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen oder durch die Arbeit von Menschen erwirtschaftet werden.

Warum ist Reichtum in unserer Welt asozial

Damit sollte dann auch klar sein, was ich mit "asozial" meine, denn wenn man ohne Probleme von den Erträgen seines Kapitals leben kann, dann wird der eigene Wohlstand von denen bezahlt, die diesen Ertrag jeden Tag erarbeiten müssen. In Deutschland kommt noch hinzu, dass man nur die Gewinne aus seinem Kapital versteuern muss, den ja aber andere erarbeitet haben. Man wird also von anderen bezahlt, trägt aber nichts zu der Gemeinschaft bei, von der man lebt. Damit meine ich nicht, dass die Reichen nichts arbeiten, die meisten von ihnen arbeiten sogar extrem viel, um ihr ihren Reichtum weiter zu vergrößern. Es geht einzig und allein um eine Definition, wo Reichtum in unserer kapitalistischen Welt anfängt und wie er die Arbeit anderer ausbeutet.


Das Vermögen der Deutschen) ist im letzten Jahr (2020) um ca. 439.000.000.000 € gestiegen. Wobei einem Zehntel der Bevölkerung dabei 67% zugeschrieben werden können, was ca. 295.000.000.000 € entspricht. Dieses Geld hat die gesamte Bevölkerung erarbeitet, es verschwindet aber in den Taschen von wenigen. Deutschland hat übrigens im selben Jahr ca. 740 Mrd. € Steuern eingenommen, nur mal als Beispiel, um das Ganze in eine Relation setzen zu können.

Um es gleich vorweg zu sagen, ich habe absolut nichts gegen die reichen Menschen selbst, die hatten meist einfach nur Glück und machen den gleichen Fehler wie fast alle. Sie denken, sie hätten ihr Glück verdient und leben das auf Kosten der Gemeinschaft aus.

Leider ist Reichtum nach wie vor sehr positiv in unserer Gesellschaft belegt. Die meisten Menschen wünschen sich auch mal Glück zu haben und reich zu werden. Das ist menschlich, aber bedauerlicherweise auch sehr schädlich für unsere Gesellschaft. Denn speziell die hyperreichen Menschen (bzw. die zugehörigen Rechtspersonen) ziehen immer mehr Kapital aus unserer Gesellschaft ab. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn sie es wieder ausgeben würden. Aber das tun sie ganz offensichtlich nicht, sonst würde es nicht ständig mehr werden.

 

Das Problem
Das eigentliche Problem fängt aber schon im Kleinen an. Warum gibt es z.B. keinen Aufschrei in der Bevölkerung, dass hohe Einkommen nicht proportional zu ihrem Gehalt in die sozialen Umlagesysteme einzahlen müssen? Fast all diese Umlagesysteme deckeln die Zahlungen bei einem Höchstbetrag, was zutiefst ungerecht ist, da diese Menschen ja sowieso schon viel mehr verdienen als der Rest. Warum zahlen nicht einfach alle einen festen Prozentsatz in die Umlage ein, egal wie viel sie verdienen? Für die sehr kleinen Einkommen halte ich eine Deckelung ja noch für sinnvoll, damit ihnen wenigstens genug Geld zu einem menschenwürdigen Leben bleibt, aber für die großen Einkommen ist es einfach nur zutiefst asozial.

Richtig schlimm wird es aber erst bei unserem Umgang mit Kapital. Warum sollte man Kapital nicht einfach genau so behandeln wie Einkommen? Ehrlich gesagt fällt mir da kein echter Grund ein, außer dass die Kapitalbesitzer ihr Kapital gerne behalten wollen.

Wie ich damit umgehen würde
Kapital sollte mit dem gleichen Prozentsatz wie Einkommen zu den sozialen Umlagesystemen beitragen. Aber das ist mir ehrlich gesagt noch nicht genug, denn Kapital sollte zusätzlich auch noch begrenzt werden. Hier schlage ich als Grenze das 1.000-Fache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens1(ca. 30T € im Jahr 2018) vor. Immer wenn das Kapital einer Person diesen Wert übersteigt, wird jeder weiter Euro zu 100 Prozent besteuert und steht somit wieder der Gemeinschaft zur Verfügung.

Noch schlimmer als den Umgang mit Kapital finde ich unser Erbrecht. Hier würde ich jedes Erbe pro Person auf das 100-Fache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens begrenzen. Damit kann man 100 Jahre normal leben, ohne jemals arbeiten zu müssen, das sollte eigentlich reichen! Alles, was darüber hinausgeht, wird in die sozialen Umlagesysteme eingezahlt.

 

Zu 1: Hier meine ich das Einkommen, das den meisten Bewohner (Schwerpunkt, nicht der Mittelwert) eines deutschen Haushaltes, im Jahr netto zur Verfügung steht.

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